Susanne Schödel mit Weltrekord in Namibia

Susanne Schödel über Namibia
In einem geliehenen Segelflugzeug zur neuen Bestmarke
Susanne Schödel findet in Namibia die richtige Thermik und fliegt 1051 km weit

Gut eine Woche hat es gedauert, bis Susanne Schödel vom AC Langenselbold in Namibia eine Weltrekord-Wetterlage vorgefunden hat. Am Sonntag endlich, dem zweiten Weihnachtsfeiertag, hob sie die Thermik zwischenzeitlich über 4000 Meter und trug sie in einer freien Strecke um drei Wendepunkte 1051 Kilometer weit. Damit überbot sie die zwölf Jahre alte Bestmarke der Tschechin Hana Zejdova um neun Kilometer.

„Ich war über neun Stunden in der Luft und danach wegen der Hitze ziemlich fertig“, erzählte Schödel, als sie wieder im Bitterwasser Lodge & Flying Centre, zwei Autostunden südlich von Windhuk entfernt, angekommen war. „Jetzt ist die Freude groß. Die Anstrengung hat zum richtigen Ergebnis geführt.“

Susanne Schödel über Namibia

 

So ganz nach Plan lief das Vorhaben der aktuellen Segelflug-Weltmeisterin der Frauen und Deutschen Meisterin nicht. Für den Rekordversuch angemeldet war ein 1000-km-Dreieck. Die Wahl fiel auf die Flugrichtung Nordwesten, doch da waren die Arbeitshöhen so niedrig, dass Schödel umdisponierte und ihr geliehenes Segelflugzeug DG800B mit einer Spannweite von 15 Metern Richtung Osten – Botswana – lenkte, wo ein paar Wolken zu finden waren. Das war die richtige Entscheidung. Und statt eines Dreiecks flog sie vier Schenkel mit drei Wendepunkten.

Über dunkelgrüne, einförmige und ebene Buschlandschaft trug sie ihr Arbeitsgerät in Höhen zwischen 1000 und etwas mehr als 4000 Metern. Eine menschenleere Gegend, die zum Teil sogar „unlandbar“ ist. Freier Luftraum, ganz anders als in Deutschland, wo viele Gebiete gesperrt sind. Mulmig fühlen sich die Segelflieger über dieser Landschaft, deshalb fliegen sie immer zu zweit.

Zu Essen gab es unterwegs nur Datteln, gesalzenes Käsebrot und Traubenzucker, zu trinken lediglich Wasser. Die Kunst ist es, während des langen Fluges die Konzentration hoch zu halten. Zum Schluss flog Schödel nochmal am Camp Bitterwasser vorbei, um die neue Rekordmarke zu sichern. „Diese Phase war wunderbar, der Sonnenuntergang in dieser Landschaft mit den sich verändernden Farben, das ist die Belohnung für die stundenlange Anstrengung“, beschreibt sie ihre Eindrücke vom Finale.

Noch bis zum 2. Januar bleibt die Segelfliegerin in Namibia und jagt weiteren Rekorden nach. Ihren Urlaub verwendet die 38 Jahre alte Geschäftsführerin von „Susan G. Komen Deutschland – Verein für die Heilung von Brustkrebs“ dafür. „Manchmal denke ich auch hier an die Aufgaben, die mich in Frankfurt wieder erwarten“, sagt sie. Doch im Grunde ist sie in der Oase mit dem Segelfliegen ausgelastet, wo demnächst eine neue Palme gepflanzt und mit einem Schild versehen wird – in Bitterwasser ein Privileg für Rekordflieger.